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7091 - LC 1941
Beim Aufzählen deutscher Wave-Institutionen werden selbst
dem Szenekenner nicht allzu viele Namen einfallen, aber Girls Under Glass dürften mit Sicherheit in der
kurzen Liste auftauchen, haben sie doch seit Mitte der 80er Jahre mit so
unterschiedlichen Alben wie Humus,
Flowers, Positive, Darius, Christus und Crystals
& Stones ihren Platz im deutschen Underground-Olymp hart
erkämpft. Mit Ihrem letzten Album Firewalker haben Volker
Zacharias, Hauke Harms und
Axel Ermers nicht nur bewiesen, dass sie auch die
Spielarten des harten Industrial-Electro-Metal-Crossover amerikanischer
Prägung beherschen, sondern auch gleich die angestrebte Aufmerksamkeit im
Ausland erhalten. Allerdings wurde den Hamburgern schnell klar, dass die
agressiven Rocktöne der Firewalker-Scheibe nicht nur über recht kurze
Halbewertzeit verfügten, sondern dass man sich auch noch sehr weit von
seinen musikalischen Wurzeln entfernt und viele ältere Fans vor den Kopf
gestossen hatte. Während der Produktion zum dritten
Trauma-Album Phase
III, das erstmals in der kompletten Girls-Besetzung eingespielt
worden ist, besann sich die Formation auch bezüglich Girls Under Glass auf ihre originären Stärken
und begann noch ganz in dem Rausch der gelungenen Trauma-Produktion mit dem neuen Girls Under Glass-Album Equilibrium dessen Titel Programm ist: Mit der
Betonung auf die atmosphärischen und melodiösen Elemente, die die
Musik von Girls Under Glass immer als einzigartig,
fernab jeglicher Trends nicht nur im deutschen Musikgeschehen etablierte, ist
ein faszinierend vielschichtiges Werk entstanden, das ganz von seinen zeitlosen
Melodien, atmosphärischen Keyboard-Harmonien und geradlinigen
Gitarren-Arrangements lebt, die durch feinfühlige Akustik-Aktzente, echte
Drums und Bassläufe sowie den charismatischen Gesang von Volker Zacharias
das vertraute Feeling in Erinnerung rufen, das bereits das 92er Album
Darius ausgezeichnet hat. So wie die
Band die Produktion von Equilibrium in
einem Zustand geistiger Gelassenheit und Ausgeglichenheit angegangen ist,
strahlt auch das Werk eine Ruhe und Wärme aus, die am besten in Love-Songs
wie Roses Of Death, Is This The Place, Wings und Love
Is zum Ausdruck kommen, während bei New World Order und Assault The Future (mit Eric
Burton von Catastrophe Ballet als
Gastsänger) wie in alten Zeiten munter drauf los gerockt wird. Mit
Protean Dreams hat man nicht nur durch
das Meeresrauschen und die gefühlvollen Akustik-Gitarren ein ganz
besonderes Flair erziehlt, sondern gerade auch die ausdruckskräftige
Gothic-Stimme von Jenny Kähler, die der Band
bei der Hamburger Formation Obsidian aufgefallen
ist und bei vielen Songs von Equilibrium einen interessanten Counterpart zu
Volkers Vocal-Performance bildet. |
| Obwohl Equilibrium
für Girls Under Glass eine Rückbesinnung
auf alte Tugenden bedeutet, die die herausragenden Songwriting-Qualitäten
der Band in den Vordergrund rückt, führt nicht zuletzt die
ausgereifte, den Endneunzigern volkommen adäquate Produktion und der
Einsatz ganz unterschiedlicher musikalischer Stilmittel dazu, dem Werk eine
nicht nur entspannende, sondern auch abwechslungsreiche Note zu
verleihen. |
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